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Montag, 19. Dezember 2016

Der Lohn der Unvollkommenheit

Der Lohn der Unvollkommenheit,


das klingt wie der Titel eines Bestsellers. Und überhaupt - müsste es nicht: "die Strafe für Unvollkommenheit heißen"? Nein, der Titel ist mit Bedacht gewählt. In diesem Blogartikel erzähle ich euch in drei Absätzen, welchen Lohn wir für den Mut zur Unvollkommenheit bekommen.

Perfektion ist ein (Alb)traum

Bestätigung dieser Erkenntnis war die Liveübertragung eines Kirchenchores. Stell dir eine weihnachtlich geschmückte Kirche vor, besetzt bis auf den letzten Platz von Kirchgängern. Der Gesangschor steht auf den Stufen des Altarraums mit dem Blick zur Gemeinde und singt, Dirigent und Orchester geben ebenfalls ihr Bestes. Alles perfekt, keine Frage! Also eine wunderbare Aufführung?

Nein, es war nur eine perfekte Inszenierung. Technisch perfekt, aber ohne mein Herz zu berühren. Das ist es, was der Perfektion fehlt. Sie ist immer distanziert, strahlt keine Wärme und Herzlichkeit aus. Man kann sich nicht mit ihr identifizieren.



Kein Vergleich zu Gospelchören, wo die Kirche bebt und die ganze Gemeinde mitsingt und -schwingt. Wie ergreifend wäre es gewesen, wenn die ganze Gemeinde mit dem Gesicht zum Altar die Weihnachtslieder für die Hauptperson in der Kirche, für ihren Gott, gesungen hätte. Das wäre zwar kein perfekter Gesang geworden, aber er hätte die Menschen weihnachtlich verbunden.

Es singen kaum noch Menschen in der Kirche. Warum? Weil sie Angst haben, es wäre nicht perfekt. Der Wunsch nach Perfektion lähmt sie, ihrem Herzen zu folgen. Das verdeutlicht auch das zweite Beispiel.


Der Anspruch auf Perfektion behindert unsere Gefühle.

Eigentlich sind wir alle behindert, so zu leben, wie wir leben wollen. Und was hindert uns? Die Angst, nicht perfekt zu sein.

Wie viel Zeit investieren wir täglich, alles zu perfektionieren. Angefangen vom eigenen Körper über die Kleidung, die Wohnung, das Auto! Hat man nicht immer das Gefühl, nicht perfekt genug zu sein. Zu dick, zu dünn, zu blass, zu dunkel.... es gibt immer etwas.

Und das Schlimmste: Wir sehen auch an unseren Mitmenschen auf den ersten Blick, was verbesserungsbedürftig wäre. Und unser Gegenüber liest in diesem einen Blick seine eigene Unvollkommenheit. So stoßen wir uns gegenseitig negativ an und drehen uns im Kreis.

Installation 2016 von Bernhard Lagneau in Ffm. Nordweststadt

Wem gelingt es zuerst, dieses Perpetuum mobile anzuhalten? Nach dem schönen Satz: "Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar, man sieht nur mit dem Herzen gut!" Einfach statt auf das äußere Erscheinungsbild die Antennen auf die Persönlichkeit der Menschen zu lenken. Was bewegt mein Gegenüber? Und die gewonnene Zeit für Aktivitäten zu nutzen, die wir wirklich für uns wollen.


Eigene Unvollkommenheit zulassen

"Wenn zu perfekt, liebe Gott böse!", dieser Ausspruch geht auf den koreanischen Künstler Nam June Paik zurück. Für die Asiaten ist das Pefekte unharmonisch. Erst die Ausgewogenheit zwischen Yin und Yang, zwischen hell und dunkel macht die Harmonie und ist vollkommen.

Die eigene Persönlichkeit zu harmonisieren anstatt zu perfektionieren macht frei. Und  befreit auch unsere Mitmenschen von unserer Erwartung an ihre Perfektion. In dieser Freiheit brauchen wir uns nicht mehr zu inszenieren, sondern sind einfach wir selbst und können uns unseren Mitmenschen herzlich zuwenden.  Das ist der Lohn der Unvollkommenheit.

Ich denke da auch an die Weihnachtsfeiertage. Macht euch Weihnachten im Herzen, nicht nur in der Wohnung. Lasst Fünfe gerade sein - versucht  nicht, perfekt zu sein. Bei euren Ansprüchen an euch und eure Familie.

Muss wirklich auch noch hinter dem Schrank gewischt werden vor Weihnachten? Oder wäre es nicht wichtiger, die Menschen zu besuchen, die auf uns warten. Nicht genug passende Gedecke für den Weihnachtstisch und deshalb die 13. Fee nicht einladen? Kommt nicht in Frage! 


In meiner Vorstellung gibt es ein Weihnachtsfest, bei dem  überall gesessen, gelacht, gegessen und getrunken wird  Eine Familienparty, in der die herzliche Gemeinschaft im Mittelpunkt steht.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein schönes Weihnachtsfest. Dass euch Herzlichkeit und Anerkennung geschenkt wird, verpackt mit Liebe und guten Wünschen.

Eure Johanna




Kommentare:

  1. Du hast es so treffend formuliert, liebe Johanna !!!!
    Das Herz und das Miteinander sollten immer im Mittelpunkt stehen !!!
    Danke dir sehr für diesen wundervollen Beitrag !!!
    In diesem Sinne wünsche ich dir ein gesegnetes Weihnachtsfest mit Freude und Glück im Herzen und herrlich "unperfekt" !
    Ganz lieben Gruß
    Perdita

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    1. Liebe Perdita, danke ganz herzlich für deinen lieben Kommentar. Ich wünsche dir und all deinen Lieben (incl. Enzo und Pascha) ein gesegnetes, gemütliches Weihnachtsfest.
      Liebe Grüße, Johanna

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  2. Liebe Johanna,
    Ja, da hat man schon Recht denn keiner kann so 'perfekt' leben.
    Ich habe es diesem Jahr ganz besonders gut geschafft um anstatt von ein perfekt sauberes Haus, öfters mit dem Pieter zusammen Rad zu fahren und es tut so gut. Nachher gemütlich einen Tee mit ungesalzene und gemischte Nüße und man fühlt sich wohl! Daher waren für beide auch die Blutwerten perfekt bei das letzte Besuch. DAS ist viel wichtiger als ein sauberes Haus und nichts schaffen was noch wichtiger ist. Auch es da sein für Anderen, einfach alles liegen gehen und sich zusammentreffen! Ein toller Post.
    Ganz liebe Grüße zu diese letzte Adventswoche und ein schöner und gemütlicher Heiligabend.
    Mariette

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    1. Liebe Mariette,
      das hast du gut gemacht. Es ist so wichtig, gemeinsam gute Tage zu haben. Ich wünsche euch auch gesegnete Weihnachten und ein gutes Neues Jahr.
      Liebe Grüße an dich und Pieter von Johanna

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    2. Liebe Johanna,
      Danke sehr! Es war so gut das wir uns in diesem Jahr mal umarmen konnten...
      Alles Liebe,
      Mariette

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  3. Beautifully said, Johanna. Perfection is not the goal. Merry Christmas to you across the miles.

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    1. Thank you, dear Sarah for your visit and comment. And Merry Christmas to you, too. :-)

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  4. Liebe Johanna,
    ich hoffe, dass Du diesem Anspruch in den letzten Tagen selbst gerecht werden konntest. Wie ich Dir ja schon schrieb, haben wir voll kindlicher Freude gelacht, inszeniert und gefeiert. Dabei sahen Küche und die Räume drum herum saumäßig aus, aber wir haben es genossen ;-)
    Deine Dinner for one Idee ist genial. Vielleicht nehmen wir die irgendwann auch mal in die Liste unserer kleinen Feiern auf …
    Hier nun nochmals ganz liebe Grüße von Wolfgang & Silke und beste Wünsche für einen guten Start in das neue Jahr!

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