Please select your language to get the translation.

Mittwoch, 7. April 2010

Antiksilber Besteckherstellung / Antiqued silver Flatware Manufacturing


Wie euch sicher schon aufgefallen ist, habe ich eine Vorliebe für Rosen-Bestecke. Als langjährige Sammlerin möchte ich euch gerne einiges dazu erzählen, denn diese Antiksilberbestecke, die meistens als "Hildesheimer Rose" bezeichnet werden, waren einmal so groß in Mode, dass es sie fast in jedem deutschen Haushalt gab. Leider wissen die wenigsten Besitzer etwas über die aufwendige Herstellung und den Wert dieser Bestecke.

Während der Recherche für mein Buch Rosen-Bestecke habe ich einen großen Fundus an alten Werkstattfotos gesammelt. Davon möchte ich euch heute einige zeigen, da man daran gut sehen kann, wie aufwendig Antiksilberwaren hergestellt werden. Antiksilber ist eine Spezialität der Regionen Hanau und Pforzheim. Allein in Hanau gab es von 1850 bis 1950 rund hundert Silberwarenmanufakturen. Heute existieren nur noch einzelne Betriebe.

Die Herstellung von Antiksilberwaren beginnt mit dem Entwurf. Schon die Musterzeichnungen der Silberschmiede sind wirklich sehenswert. Nach dem gezeichneten Entwurf formt der Ziseleur mit Hammer und Punzen in Messingblech das gewünschte Besteckteil. Bild 1 zeigt eine Musterzeichnung und drauf liegend eine halbfertige Arbeit.

Bild 1/Fig. 1

As you surely noticed already, I have a fondness for rose flatware. As a collector of many years I want to give you an idea, how this Antiqued silver flatware, which is usually named "Hildesheimer Rose" has been produced. In former times this cutlery was so much in vogue that it existed in nearly every German household. Unfortunately, few owners know about the complex production and the value of their Antiqued silver flatware.

During the research for my book Rosen-Bestecke I have collected a lot of photos of Hanau silversmith workshops. I would like to show you some, as it shows you very clearly how labor intensive Antiqued silver items were being produced. Antiqued silver is a specialty of the regions Hanau and Pforzheim in Germany. Only in Hanau there were from 1850 to 1950 around 100 silverware manufacturers. Today there remain only a few companies.

The manufacturing of Antiqued silverware begins with the draft design. Even those drawings of a silversmith are quite remarkable. After the drawn design the engraver starts forming the desired cutlery in a brass sheet metal with a hammer and punch. Figure 1 shows pattern drafts and on it is lying a half-finished work.

--

An solch einem Arbeitsplatz (Bild 2) sitzen die Ziseleure und Goldschmiede. Abfälle und Feilreste fallen in das aufgespannte Leder und werden hinterher sorgfältig zusammengekehrt. Sie sind ja edelmetallhaltig und werden im Anschluss wieder eingeschmolzen. Auf dem Tisch sieht man Hammer und Punzen sowie die verschiedene andere Werkzeuge.

Bild 2/Fig. 2

At such a workplace (Fig. 2) sit the chaser and goldsmith. Waste and file remnants will fall into the stretched leather and were carefully swept together afterwards. Because is is a precious metal that will be melted again. On the table you see a hammer and punches as well as various other tools.

--

Wenn das Besteckteil in Messingblech fertig geformt ist, wird es ausgesägt und versäubert. Dann kann es abgegossen werden. Antiksilberwaren werden mit der Hand in Sandformen gegossen. Auf dem Bild 3 sieht man, wie der Former die einzelnen Teile in die Sandform einbettet, so dass ein Abdruck entsteht, der hinterher in Silber ausgegossen werden kann. Man kann in der Sandform unten links einen Soßenlöffel erkennen, rechts sind verschiedene Teile für einen Kerzenleuchter angeordnet. Die Abdrücke der verschiedenen Teile werden noch durch Gusskanäle verbunden, so dass das flüssige Silber mit einem Einguss alle Hohlräume füllen kann.

Bild 3/Fig. 3

When the brass sheet is ready shaped, it will be cut out and cleaned up. Then it can be poured into a mold. Antiqued silverware will be poured by hand into sand molds. On picture 3 you can see how a man is embedding separate parts into a sand mold to create an image, that later can be poured out in silver.

On the left hand side of the sandform one can see a gravy ladle and on the right hand different parts for a candlestick. The images of the different parts are still connected by splash channels, so that the liquid silver can fill in all cavities with one pouring.

--

Nach dem Abkühlen kann der Rohguss aus der Form entnommen werden (Bild 4).

Bild 4/Fig. 4

After cooling down, the raw casting can be removed from the mold (Figure 4).

--

Hier sehen wir den Rohguss noch einmal in der Nahaufnahme (Bild 5). Im Anschluss werden die einzelnen Teile mit einer Zange erst von den Gusskanälen getrennt und dann einzeln von Hand mit feinen Feilen versäubert. Alle Durchbrüche müssen von Graten befreit werden und mehrteilige Formen werden dann noch zusammengelötet.

Man kann folgende Rohteile erkennen: a) Zuckerzange, b) Zuckerlöffel, c) Soßenkelle, d) Teile für eine Gebäckzange.

Bild 5/Fig. 5

Here we see the raw cast, again in the close-up (Fig. 5). Subsequently the separate parts are being disconnected with pliers off the splash channels and then they have to be finished one by one by hand with fine files. All breaches must be freed of burrs and multipart forms are then soldered together.

One can see the following rough pieces: a) sugar tongs, b) sugar spoon, c) sauce ladle, d) pieces for a pastry tongs.

--

Die Fotos 3 - 6 wurden in der Silberwarenmanufaktur J. Kurz & Co. in Hanau in den 50er Jahren aufgenommen. Auf dem Bild 6 sitzen am Werkbrett mehrere Silberarbeiter und bearbeiten Antiksilberwaren. Man kann sehen, dass jedes Teil mit der Hand zusammengelötet, versäubert nachziseliert und poliert wurde.

Bild 6 / Fig. 6

Photos 3 - 6 shows the workshop of the silverware manufactory J. Kurz & Co. in Hanau in the 50s. Fig. 6: Sitting at the work board are several silver workers treating Antiqued silverware. One can see each piece has been soldered, freed from burrs, punched over and polished by hand.

--

Antike Silberwaren sind nicht unbedingt Antiksilberwaren. Antiksilber wird seit ca. 100 Jahren auf die beschriebene Weise mit viel Handarbeit aus echtem Silber im antiken Stil hergestellt.

Ein wichtiges Gestaltungsmittel ist neben den historischen Formen auch die per Hand aufgebrachte Zieroxydation. Wie man am Bild 7 sehen kann, sieht das Antiksilber mit Schwärzung wesentlich plastischer aus als ohne. Die schwarzen Vertiefungen sind kein Schmutz und sollen auch nicht entfernt werden.

Bild 7 /Fig. 7

Antique silver is not necessarely the same as Antiqued silver. The manufacturers are producing Antiqued silver since nearly 100 years in the same forementioned way with tedious handcraft in the ancient style.

An important shaping element beside the historical form is also the hand applied blackening. As you can see from Figure 7, Antiqued silver with blackening looks essentially more plastically than without. The black deepening is no dirt and should also not be removed.

--

An der Fertigungweise dieser Rosen-Bestecke hat sich im Verlauf der Zeit kaum etwas geändert. Noch heute produzieren die wenigen verbliebenen Hersteller ihre Silberwaren mit einem hohen Anteil an Handarbeit und dadurch sind Antiksilberwaren teuer in der Anschaffung. Da jedes Teil mit der Hand nachbearbeitet wird, ist es gewissermaßen ein Unikat, denn es hat kleine Abweichungen in Gewicht und Ausarbeitung.

Antiksilber ist vergleichbar mit Manufakturporzellan und handgeschliffenem Bleikristall, zu dem es übrigens auch hervorragend passt. Einzelne Antiksilber-Bestecke aus meiner Sammlung verkaufe ich bei: http://www.silber-und-rosen-shop.de/Antiksilber

Wer sich für die verschiedenen Muster der Rosen-Bestecke und ihre Geschichte interessiert, findet noch mehr Informationen im Buch Rosen-Bestecke


The production process of these rose flatware pieces did change very little over time. Even today the few remaining manufacturers produce their silverware with a high proportion of manual labor and this makes Antiqued silver products expensive. Since each part is worked up by hand, it is a kind of unique because it will have small variations in weight and shaping.

Antiqued silver is comparable with hand cut lead crystal and handpainted porcelain, to which it incidently is a perfect match. I sell individuell pieces of my flatware collection here:  http://www.silber-und-rosen-shop.de/Antiksilber

Anyone who is interested in the different rose flatware pattern and their history will find more information on my website: www.rosen-bestecke.de.

Kommentare:

  1. Liebe Johanna,
    alle Achtung das war sehr Lehrreich.
    Leider machen sich die wenigsten Gedanken darüber wie aufwendig so manches edle Teil ist.
    Doch diejenigen die solches sammelt (Leidenschaft) sind sich dessen bewusst.Meist wird es aber gekauft weil es halt ganz einfach schön ist oder gerade"Trendy" ist.Und irgentwann landet es auf dem Müll,Flohmarkt oder es wird weiter gegeben.
    Und was noch hinzu kommt ist,das man halt oftmals einfach nicht weiss was dieses und jenes edle Stück für einen Wert hat!
    Wünsch Dir einen schönen Abend!!
    Liebe Grüße,
    die Waldfee

    AntwortenLöschen
  2. Hallöchen liebe Johanna! Vielen Dank für all die Infos über das traumhafte Rosensilber!!! Mich hat übrigens ganz besonders die schöne Musterzeichnung mit der darauf liegenden halbfertigen Arbeit beeindruckt. Solche Entwürfe, Rohlinge, "Unkomplettheiten" haben es mir aus irgendwelchen Gründen besonders angetan, vielelicht finde ich sie rührend, möglicherweise mag ich aber auch den Blick hinter die Kulissen, den das Unfertige bietet...
    Alles Liebe & Gutnacht, trau.mau

    AntwortenLöschen
  3. davon verstehe ich jetzt überhaupt nichts, aber es war interessant, einiges darüber zu erfahren. Dankeschön.

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Johanna,

    mit großem Interesse habe ich deinen heutigen Post gelesen. Man findet Dinge schön und macht sich dennoch in den seltensten Fällen Gedanken darum, mit wie viel Sorgfalt und Mühe sie hergestellt worden sind. Nun betrachte ich das Rosenbesteck mit ganz anderen Augen.

    Danke dir.

    Liebe Grüße von Elvira

    AntwortenLöschen
  5. Dearest Johanna,

    Once again you taught your readers quite a lot about the fine art of creating antiqued silver! Your Silver School will teach us many more lessons to follow!
    I am SOOOOOOOOOOO glad for having your book here at home in the USA. The shipping from Germany is by no means a problem and goes reasonably fast. On Amazon.de it is available and I have done you a favor of rating it.
    Lots of love and keep educating us on this most romantic of silver ware!

    Mariette from Georgia/USA

    AntwortenLöschen
  6. so viel hab ich noch nie über silberbesteck nachgedacht und erfahren. für mich ist silberbesteck ne kiste im abstellraum die einstaubt. vielleicht sollte ich die mal rauskramen und ablichten. danke der inspiration und der info's über die herstellung.
    schönen abend und lg von der katty

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über jeden Kommentar, lösche allerdings anonyme Kommentare, wenn sie nur der eigenen Webseitenverbreitung dienen.
I am happy when you leave a comment but I will delate every comment which is only given for propagation the own website.